Geschichte des Shelter
Das Shelter von Estera befindet sich in ländlicher Lage in der Region rund um Pocruia, auf einem abgelegenen Grundstück, das früher ihrer Familie gehörte und ursprünglich landwirtschaftlich genutzt wurde. Seit 2020 wird das Gelände als Shelter betrieben.
Die Entstehung des Shelters ergab sich aus der Notwendigkeit, eine wachsende Zahl heimatloser Hunde sicher unterzubringen. Nachdem die Haltung vieler Tiere auf dem Grundstück ihres Wohnhauses nicht mehr möglich war, wurde ein separates Gelände eingezäunt und schrittweise als Schutzort ausgebaut. Mit der Zeit brachten auch Anwohner zunehmend ausgesetzte Hunde dorthin, sodass sich aus einer privaten Lösung eine strukturierte Einrichtung entwickelte.
Neben ausgesetzten Hunden nimmt das Shelter auch Tiere aus schlechten Haltungsbedingungen sowie verletzte Hunde und Katzen von der Straße oder aus dem Wald auf. Heute ist es ein wichtiger Zufluchts- und Rettungsort für zahlreiche Tiere und ein fester Bestandteil der regionalen Tierschutzarbeit.
Ein zentrales Anliegen von Estera ist zudem die Kastration von Hunden und Katzen – sowohl von Besitzern als auch von Streunern –, um unkontrollierte Vermehrung zu verhindern und Tierleid langfristig und nachhaltig zu stoppen.

Wer ist Estera und warum macht sie das?
Estera lebt heute in dem Dorf, in dem früher ihre Großeltern wohnten. In ihrer Kindheit verbrachte sie dort vor allem die Sommerferien, aufgewachsen ist sie jedoch an anderen Orten.
Ihr Lebensweg führte sie zunächst ins Ausland. Sie lebte drei Jahre in Deutschland und anschließend vier Jahre in Irland mit ihrem damaligen Freund. Ihre Eltern selbst leben seit über fünfzehn Jahren in Deutschland. Als Estera jung war, wohnte sie eine Zeit lang bei ihnen, bevor sie nach Irland ging. Später kehrte sie zuerst zu ihren Eltern und schließlich wieder nach Rumänien zurück.
Ein entscheidender Grund für ihre Rückkehr war die Pflege ihrer Großmutter mütterlicherseits, die Estera und ihre drei Geschwister großgezogen hatte, während die Eltern arbeiteten. Aus einer kurzfristigen Lösung wurden drei Jahre intensiver Pflege. Zwei Jahre lebte Estera im Haus ihrer Großmutter, im letzten Jahr nahm sie sie zu sich, nachdem ihr eigenes Haus teilweise renoviert war. In dieser Zeit arbeitete Estera fast täglich von 5:30 Uhr bis 23:30 Uhr in einem Hotel in Târgu Jiu.
Eine Erinnerung ist ihr bis heute besonders wichtig: Als Estera ihren ersten Hund adoptierte – eine zuvor gerettete Hündin –, gab ihre Großmutter ihr Geld für die Kastration. Diese Geste hat sich tief in ihr Herz eingebrannt.

Nach ihrer Rückkehr nach Rumänien wurde Estera mit einer Realität konfrontiert, die sie schockierte: Überall lebten Hunde und Katzen auf der Straße – hungrig, krank, ausgesetzt. Nie hatte sie geplant, ein Tierheim zu gründen. Doch sie konnte nicht wegsehen. Aus Mitgefühl und Verantwortung begann sie, Tiere aufzunehmen und zu versorgen.
Die ersten Jahre waren extrem schwer. Estera gab ihr gesamtes Geld für Hundefutter aus. Für Entwurmungen, Impfstoffe oder tierärztliche Versorgung reichte es oft nicht. Viele Welpen konnten nicht einmal ihre erste Impfung bekommen – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus purer Mittellosigkeit. In dieser Zeit wurden deutsche Vereine auf sie aufmerksam und begannen zu helfen – mit Futter und der Unterstützung bei Ausreisen nach Deutschland. Trotzdem blieb der Alltag emotional und finanziell eine enorme Belastung.
Auf dem Weg zur Arbeit fand Estera bei Regen häufig fünf, manchmal acht Welpen am Straßenrand. Sie sammelte sie ein und ließ sie im Auto, bis sie gegen 23:30 Uhr ihre Arbeit beendet hatte. Viele Welpen erkrankten an Parvovirose. Estera nahm sie mit zur Arbeit und legte ihnen jede Stunde Infusionen auf dem Parkplatz. Oft versorgte sie fünf oder sechs schwerkranke Welpen gleichzeitig – ohne Boxen, nur in einem normalen Auto mit vier Sitzen.
Gleichzeitig kümmerte sie sich um ihre schwerkranke Großmutter. Ihr Umfeld reagierte mit Unverständnis, ihre Arbeitsstelle drohte mit Kündigung. Es war ein permanenter Ausnahmezustand – Als sehr sensibler Mensch litt sie unter dem Leid der Tiere.
Wenn sie heute auf diese Zeit zurückblickt, kann sie kaum glauben, was sie durchgestanden hat. Viele Situationen waren extrem schmerzhaft – manche endeten gut, andere nicht. Jeder einzelne Hund hat Spuren hinterlassen.
Ein Wendepunkt kam, als ihr Bruder ein Video über ihre Arbeit erstellte. Daraufhin reisten mehrere Frauen aus Deutschland an, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie waren tief bewegt, und jedes Mal, wenn sie wieder abreisten, weinten alle gemeinsam – aus Erschöpfung, Dankbarkeit und Verbundenheit.
Heute betreut Estera rund 95 Tiere . Die Zahl schwankt ständig: Einige werden vermittelt, andere neu ausgesetzt oder gerettet. Ein Kreislauf, der kaum zur Ruhe kommt.
Ein typischer Tag beginnt für sie gegen 7 Uhr morgens. Sie bereitet warmes Futter für die Welpen zu, versorgt die Tiere im Hof, füttert Katzen, macht sauber und fährt ins Tierheim. Dort reinigt sie die Gehege, füttert die Hunde und bleibt bei ihnen. Am Nachmittag fährt sie erneut hin. In ihren Pausen organisiert sie Kastrationen oder füttert bekannte Straßenhunde.
Hilfe hat Estera kaum. Eine enge Freundin unterstützt sie regelmäßig, ebenso Dragos, ihr Partner, wenn es seine Arbeit erlaubt. Sie sind die einzigen Freiwilligen. Weitere Helfer müssen bezahlt werden und kommen nur bei schweren Arbeiten zum Einsatz.
Die körperliche Belastung ist enorm: schwere Futtersäcke, Schubkarren voller Kot, kaputte oder eingestürzte Hütten. Seit einiger Zeit leidet Estera unter starken Rücken-, Nacken- und Armschmerzen. Trotzdem macht sie weiter.
Kein Wunder – In den wärmeren Monaten muss Estera täglich rund 2,5 Schubkarren Hundekot entsorgen. Im Winter steigt die Menge durch den höheren Futterbedarf auf bis zu 4 Schubkarren pro Tag. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt das bei einer 100-Liter-Schubkarre durchschnittlich rund 120.000 Liter Kot, die entsorgt werden müssen.
Täglich werden außerdem etwa 10–12 Säcke Trockenfutter verfüttert.
Versorgt werden 10 große Gehege, 3 kleine Gehege sowie 3 mobile Zelte. In den Wintermonaten erhalten zusätzlich zwei Gehege jeweils 2 weitere Säcke Trockenfutter à 10 kg pro Tag.
Im Jahresdurchschnitt ergibt das:
- 10 Säcke à 10 kg pro Tag × 364 Tage = ca. 36.400 kg
- In den Wintermonaten zusätzlich ca. 1.500 kg
➡️ Insgesamt schleppt Estera somit rund 37.900 kg Trockenfutter pro Jahr.
Zusätzlich füttert sie regelmäßig Straßentiere. Für Welpen kocht sie oft selbst und bereitet Nudeln, Fleisch und Gemüse zu. Leider reicht das Geld nicht immer aus, sodass zeitweise auch Brot verfüttert werden muss.
Kraft schöpft sie aus den Bildern der Hunde, die in Deutschland ankommen – sicher, geliebt, schlafend in einem warmen Bett. Sie weiß, woher sie sie gerettet hat, und wie sie heute leben. Das gibt ihr die Stärke, nicht aufzugeben.
Einen einzelnen „besonders schlimmen Fall“ kann Estera nicht benennen – es waren zu viele. Alle haben sie geprägt, keiner lässt sich vergessen.
Für die Zukunft wünscht sie sich, das Tierheim weiter auszubauen – für die Hunde, aber auch, um ihre Arbeit körperlich erträglicher zu machen. Gleichzeitig hofft sie, dass die rumänischen Behörden ihrer Verantwortung endlich gerecht werden.
Eines weiß Estera ganz sicher:
Ohne die Unterstützung der Menschen aus Deutschland hätte sie niemals so viele Tiere retten können. Hunderte Hunde und Katzen – vermutlich über 600 – sind bereits durch ihre Hände gegangen.
Das ist Esteras Geschichte.
Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht weggesehen hat..
Wir sind Team Deutschland;
Eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft von Menschen, die Tiere lieben und die Augen vor dem Leid, das ihnen widerfährt, nicht verschließen können.
Wir kommen aus unterschiedlichen Vereinen und Tierschutzorganisationen oder engagieren uns privat. Einige von uns sind Pflegestellen, Spenderinnen und Spender oder Adoptantinnen und Adoptanten – andere haben durch Hörensagen zu Estera gefunden. Uns alle verbindet ein gemeinsames Ziel: so viel wie möglich für die Tiere zu bewirken.
Mit unserer Zeit, unseren Kontakten, unserem Know-how und ganz viel Herzblut unterstützen wir Esteras Shelter von hier aus in Deutschland – und wenn möglich auch direkt vor Ort.
Was uns ausmacht?
Eine riesige Portion Tierliebe, ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander sowie der gemeinsame Wille, auch das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.

Warum unterstützen wir Estera?
Warum wir uns für Estera engagieren? Lest selbst.
„Ich habe Estera vor ca. 4–5 Jahren durch meine Dolmetschertätigkeiten in Rumänien für andere Vereine kennengelernt, und wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander. Ich unterstütze sie, weil sie seit Jahren selbstlos Hunde rettet und diesen Knochenjob aus reiner Liebe zu den Tieren macht – ohne echten finanziellen oder personellen Rückhalt. Sie ist authentisch – ihr geht’s um die Tiere und nicht ums Prestige.“
„Ich unterstütze Estera, weil sie mit ganzem Herzen und oft alleine für ihre Hunde kämpft – und mich ihr Engagement seit unserem persönlichen Kennenlernen tief berührt. Ich habe sie und ihre Schützlinge dabei direkt tief ins Herz geschlossen.“
„Über Vierbeiner in Not bin ich auf Estera aufmerksam geworden. Ihre spürbare Liebe zu den Tieren haben mich überzeugt, sie aus vollstem Herzen zu unterstützen „
„Ich bin Pflegestelle über Vierbeiner in Not und mein erster Pflegehund kam aus dem Shelter von Estera. Durch ihn bin ich auf ihre Arbeit aufmerksam geworden. Seitdem verfolge ich mit großem Respekt, wie viel Herz, Kraft und Zeit sie täglich für die Tiere aufbringt. Umso wichtiger ist es mir, sie mit meiner Unterstützung ein Stück entlasten zu können und dazu beizutragen, dass sie diese wertvolle Arbeit langfristig fortsetzen kann.“
